Alarmanlage – Tipps und Tricks Teil 1

Disclaimer: Wie bei allen Themen gilt insbesondere bei technischen Themen, dass wir sämtliche Angaben und Hinweise nach bestem Wissen und Gewissen mit größter Sorgfalt erstellt haben. Trotzdem kann es selbstverständlich zu Fehlern, Irrtümern und anderen Problemen kommen. Bevor irgendwelche Einstellungen oder Arbeiten durchgeführt werden, sollte grundsätzlich zuerst der gesamte Text gelesen und verstanden werden. Wir von fiatcoupe.de können keinerlei Haftung übernehmen für Schäden oder andere Probleme, die durch die Durchführung von Einstellungen oder Umbauten etc. entstehen können. Sämtliche Arbeiten geschehen auf eigene Gefahr und wir sind nicht verantwortlich für Kurzschlüsse, Kratzer, nicht umkehrbare Einstellungen und ähnliche Dinge. Bitte beachtet das, bevor ihr irgendetwas an Bella verändert. Wer sich etwas nicht zutraut oder absolut keine Ahnung hat, suche sich bitte kompetente Hilfe. 

Und noch ein Hinweis: Die Angaben in diesem Artikel beziehen sich auf die erste Baureihe (94-96) mit der alten Mittelkonsole (Digitaluhr) und der Infrarot-Fernbedienung. Es ist möglich, dass manche Dinge bei den späteren Modellen ähnlich funktionieren, aber die Beschreibungen im folgenden Text gelten nur für die älteren Fahrzeuge, in diesem speziellen Fall für ein 2.0 16V, Baujahr 1995. Sollte jemand Parallelen oder Unterschiede zu den späteren Modellen aufzeigen können, freuen wir uns über eine fundierte Mail an zentraldenker@fiatcoupe.de.

Die Alarmanlage – nützlich und unterschätzt oder kompletter Mist?

Viele Besitzer von Coupés halten die ab Werk verbaute Alarmanlage (offiziell Diebstahlsicherungsanlage) für wenig nützlich, weil sie angeblich ständig Fehlalarme produziert. Häufig liegt das daran, dass die Einstellungen und Möglichkeiten der Anlage nicht bekannt sind. Gerade bei gebrauchten Autos fehlt halt manchmal auch die Betriebsanleitung. Deswegen möchten wir im ersten Teil unseres Artikels die grundlegenden Funktionen erklären und einige Tipps zur Bedienung geben. Im zweiten Teil werden dann Profi-Tipps folgen, mit denen die Ländereinstellungen der Alarmanlage verstellt werden können.

Deckenleuchte mit IR-Empfänger

Deckenleuchte mit IR-Empfänger (links von der Innenleuchte)

Gesteuert wird die Alarmanlage vom Empfangsgerät, das in der Deckenleuchte verbaut ist. Hier ist auch der „Infrarot-Knubbel“ zu finden, der als Empfänger für den IR-Sender dient (ohne Alarmanlage wird hiermit nur die Zentralverriegelung betätigt). Hier geht es übrigens schon los: Viele jüngere Coupébesitzer sind nur Funkfernbedienungen gewöhnt, die sich aus beliebigem Winkel und einigen Metern Entfernung nutzen lassen. Bei Erscheinen des Coupés waren IR-Fernbedienungen jedoch der Stand der Technik und unterliegen somit einigen bauartbedingten Besonderheiten. Zum einen sollte der Sender stets gut geladene Batterien enthalten. Alte Batterien können die Funktion stark beeinträchtigen. Zum anderen muss man relativ genau auf den Knubbel der Empfangseinheit zielen. Aber auch das muss man nicht übertreiben. Bewährt hat es sich, auf der Fahrerseite in Höhe der B-Säule die Fernbedienung in Richtung Innenspiegel zu halten, während man sie betätigt. Bei beschlagenen oder gar vereisten Scheiben kann es natürlich vorkommen, dass das Signal nicht durchkommt – dann muss man erst ein entsprechendes Loch freikratzen. Auf der Beifahrerseite funktioniert es in der Regel auch, hier ist aber manchmal der Innenspiegel im Weg, da der IR-Knubbel links davon sitzt. Ich persönlich habe auch kein Problem, das Fahrzeug zu öffnen, wenn ich am Kofferraum stehe und durch die Heckscheibe ziele. Wichtig ist bei Infrarot eben immer eine Sichtverbindung zwischen Empfänger und Sender.

Benutzung der Alarmanlage

Ist eine Alarmanlage verbaut und auch aktiv (dazu kommen wir noch), wird mit dem Sender auch die Alarmanlage geschärft bzw. entschärft (geschieht normalerweise zusammen mit dem Auf- bzw. Abschließen durch die ZV). Hier spielen die Ländereinstellungen eine große Rolle: Nicht in allen Ländern, in denen das Coupé verkauft wurde, sind die Vorschriften für Alarmanlagen gleich. Manche Funktionen sind (oder waren es zumindest damals) in einigen Ländern nicht erlaubt, andere begrenzen die Lautstärke des Alarmtons, Blinkerbetätigung und/oder Signalton beim Aktivieren und anderes. Details hierzu folgen später im zweiten Teil des Artikels. Besonders nervig kann eine bestimmte Ländereinstellung sein, bei der die Alarmanlage nach einer bestimmten Zeit eine Selbstschärfung vornimmt. Das ist vor allem dann peinlich, wenn man vergessen hat, den Schlüssel abzuziehen oder gerade mitten im Autokino sitzt etc. In dem Fall kann man die Schärfung nicht aufheben, ohne den Alarm auszulösen (weil man die Tür öffnen muss bzw. sich im Innenraum bewegt). Auch hier kann die richtige Ländereinstellung Abhilfe schaffen. Ein Trost mag sein, dass selbst in Fiat-Werkstätten ständig Alarmanlagen ausgelöst haben. Doch hierzu möchte ich klar sagen, dass das keine Fehlfunktion ist – fast alle „Fehlauslösungen“ haben handfeste Gründe und sind nachvollziehbar — und in dem Fall macht die Alarmanlage ja genau das, was sie soll.

Die Innenraumüberwachung

Innenraumsensoren der Alarmanlage an der C-Säule

Innenraumsensoren der Alarmanlage an der C-Säule

Sie bereitet vielen Fahrern schlaflose Nächte, wenn sie wieder einmal ausgelöst hat. Die Innenraumüberwachung wird über sogenannte volumetrische Sensoren realisiert, die sich im Inneraum an der C-Säule befinden und mit Ultraschall arbeiten. Sie registrieren kleinste Bewegungen und werden manchmal für kleine Lautsprecher oder gar Mikrofone (!) gehalten. Ist die Innenraumüberwachung aktiv, muss man darauf achten, dass sich auch wirklich nichts im Innenraum bewegen kann, wenn das Auto verschlossen ist.

 

Beliebte Fehlerquellen der Innenraumüberwachung:

  • Am Spiegel befestigte Gegenstände, die herumbaumeln können
  • nicht richtig aufgerollte Gurte, die später plötzlich hochschnappen
  • Insekten im Innenraum, hier auch auf Spinnen achten, die gerne mal an den Innenraumsensoren herumspinnen
  • bei kaltem Wetter evtl. Beschlag oder gar Überfrieren an den Metallteilen der Innenraumsensoren
  • an stark befahrenen Straßen oder Orten mit instabilem Untergrund können Vibrationen auftreten.
  • alles, was irgendwo herumliegt und herunterfallen könnte (z.B. abgelegte Sonnenbrille auf dem Armaturenbrett)
  • zu guter Letzt: manchmal sind die Sensoren selbst locker und lösen deswegen bei jeder Kleinigkeit sofort aus

Denkbar sind natürlich noch einige andere Auslöser. Man sollte sich also immer fragen, WARUM die Anlage ausgelöst hat. Zum Glück liefert sie nach Auslösung einen guten Hinweis. Die Kontroll-LED im Armaturenbrett, die nach Schärfung der Alarmanlage rhythmisch zur Abschreckung blinkt und die Funktion der Alarmanlage anzeigt, blinkt nach einem Alarmfall in einem bestimmten Rhythmus, der sich wiederholt. An der Anzahl erkennt man, welcher der zahlreichen Sensoren angesprochen hat. Der Code ist wie folgt:

  • 1x Blinken: Beifahrertür
  • 2x Blinken: Fahrertür
  • 5x Blinken: Innenraumüberwachung
  • 6x Blinken: Motorhaube
  • 7x Blinken: Kofferraumdeckel
  • 8x Blinken: Manipulation am Zündanlass-Schalter
  • 9x Blinken: Stromversorgung der Alarmanlage durchtrennt
  • 10x Blinken: mindestens drei Alarmursachen

An der Liste sieht man, dass die Alarmanlage nicht so einfach zu umgehen ist. Man merkt das schon, wenn man beispielsweise die Autobatterie abklemmt (z.B. für irgendwelche Arbeiten) – hier nimmt die Alarmanlage ggf. eine Manipulation der Stromanlage an und gibt einen Signalton ab. Der Strom dafür kommt aus einer eigenen Batterie. Letztere kann im Alter allerdings zu Problemen führen, da sie (wie jeder Akku) irgendwann am Ende der Lebensdauer angekommen ist. In dem Fall kann es Sinn machen, die Alarmanlage komplett stillzulegen.

Aktivierung und Auslösung

Die LED-Kontrollleuchte sitzt in der Schalterreihe ganz rechts

Um die Alarmanlage zu schärfen, wird die Taste der Fernbedienung gedrückt (die alte Fernbedienung hat überhaupt nur eine Taste, von daher keine Verwechslungsgefahr). Je nach Ländereinstellung quittiert die Alarmanlage die Schärfung ggf. mit einem Piepton und dem Aufleuchten der Blinker. Für das Ausschalten muss man den Knopf nochmals betätigen, auch hier kann das abhängig von der Ländereinstellung mit Blinken sowie drei Pieptönen quittiert werden. Während die Alarmanlage scharf ist, blinkt die rote LED im Armaturenträger. Öffnet man jetzt eine Tür (z.B. nach dem direkten Aufschließen am Schloss mit dem Schlüssel), sollte die Alarmanlage auslösen. Dann heult die Sirene für eine vorprogrammierte Zeit (etwa 30 Sekunden, kann nach Ländereinstellung variieren) und die Blinker blinken für längere Zeit (je nach Einstellung). Abschalten lässt sich der Alarm mit einem Druck auf die Fernbedienung. Das ist auch notwendig, weil sonst ggf. die Wegfahrsperre ein Starten verhindert. Achtung: Die Alarmanlage führt bei Aktivierung einen Selbsttest durch und prüft, ob alle Türen und Hauben geschlossen sind. Ist dies nicht der Fall, ertönt bei Aktivierung nach kurzer Pause ein weiterer Piepton. Dann sollte man prüfen, ob Motorhaube, Kofferraumdeckel und die Türen wirklich richtig geschlossen sind. Ertönt der Warnton trotz sauber geschlossener Hauben, könnte es z.B. am Sensortaster im Kofferraum oder unter der Motorhaube liegen.

Wegfahrsperre oder nicht? Das ist hier die Frage

Oft wird irrtümlich behauptet, die alten Fahrzeuge mit IR-Fernbedienung und ohne das Fiat-Code-System mit der blauen Ecke am Zündschlüssel hätten keine Wegfahrsperre. Das ist nicht korrekt. Im Gegenteil: In Deutschland war es ab 1993 Pflicht, eine Wegfahrsperre bei Neufahrzeugen zu verbauen. Viele Hersteller mussten sich zu Beginn mit Notlösungen behelfen (etwa die Transponder bei VW und Audi, die vor jedem Starten des Motors an das Gegenstück gehalten werden mussten). Beim Coupé ist die Wegfahrsperre über die Alarmanlage realisiert. Löst sie aus, kann das Auto weder angeschoben noch angelassen werden, bis die Alarmanlage ordnungsgemäß deaktiviert wurde. Es soll Fahrzeuge geben, bei denen das trotzdem geht, die mögen keine Wegfahrsperre haben. Es gab gerade zu Beginn manchmal Importe aus anderen Ländern (z.B. Italien), die Unterschiede in der Ausstattung aufwiesen (hier findet man z.B. bei frühen Modellen auch noch keine Airbags). Ob das eigene Fahrzeug eine Wegfahrsperre hat, müsste im alten Kfz-Brief vermerkt sein, denn das war für die Versicherungen damals extrem wichtig.

Deaktivierung der Alarmanlage

Schloss für Deaktivierung (unter Gummikappe)

Schloss für Deaktivierung (unter Gummikappe)

Treten echte Fehlfunktionen auf oder ist man einfach genervt von den „normalen“ Fehlauslösungen, möchte mancher seine Alarmanlage deaktivieren. Hierfür ist eigentlich der kleine Schlüssel gedacht, der mit dem Fahrzeug ausgeliefert wurde. Er passt in ein Schloss, dass sich im Handschuhfach unter einer Gummiabdeckung befindet. Hier kann die Alarmanlage theoretisch deaktiviert werden. Aber auch hier kann es vorkommen, dass es bei Fahrzeugen für bestimmte Märkte nicht möglich ist, die Alarmanlage auf diese Weise zu deaktivieren, weil sich somit auch die (alte) Wegfahrsperre umgehen ließe. Bei den neueren Fahrzeugen sollte die WFS unabhängig von der Alarmanlage sein. Aber das ist nur eine gewagte Vermutung des Autors 🙂 Ist die gefürchtete Selbstschärfung der Alarmanlage nicht aktiv, kann man um den Preis einer Komforteinbuße auf die Fernbedienung verzichten und das Auto einfach nur über die ZV per Schlüssel abschließen. Das funktioniert aber wie gesagt nur, wenn die Anlage sich nicht von selbst schärft. Wie man das umgehen kann, könnt Ihr im zweiten Teil des Berichts lesen, der sich mit den verschiedenen Profi-Einstellungen befasst.

 

Der Trick für die stressfreie Nutzung der Alarmanlage

Schlüssel Marker

Den Zündschlüssel kurz auf MAR und STOP, um die Innenraumüberwachung abzuschalten

Auch ich verzichte meist auf die Nutzung der Innenraumüberwachung, da sie gerade im Winter (Beschlag etc.) oder durch äußere Einflüsse (spielende Kinder, die gerne mal am Auto wackeln) auslöst. Das hindert mich aber nicht daran, die anderen Funktionen der Alarmanlage zu nutzen, denn Fiat ermöglicht es Coupéfahrern mit einer simplen Schlüsseldrehung, die Innenraumüberwachung separat zu deaktivieren. Damit reduziert man die Fehlalarme auf null – sofern man nicht wirklich einen Defekt an der Anlage hat. Und so geht es: Bei ausgeschaltetem Motor den Zündschlüssel zurück auf MAR stellen (also auf Zündung ein) und sofort wieder auf STOP. Diese Bewegung muss fließend und ohne Unterbrechung passieren. Zur Kontrolle, dass die Innenraumüberwachung abgeschaltet ist, leuchtet die LED auf dem Armaturenbrett dann für etwa 1 bis 2 Sekunden auf. Dann kann man sein Auto wie gewohnt verschließen und die Alarmanlage einschalten, ohne dass die Innenraumüberwachung aktiv ist. Die restlichen Funktionen bleiben voll aktiv. Diese Deaktivierung gilt allerdings nur bis zum nächsten Start des Motors, man muss sich also ggf. angewöhnen, das Manöver mit dem Schlüssel jedes Mal auszuführen, wenn man das Auto abstellt. Bei mir ist das so zur Gewohnheit geworden, dass ich den Unterschied gar nicht mehr merke. Übrigens kann man auch nach Abschaltung der Innenraumüberwachung nochmal die Zündung einschalten, um z.B. die Fenster hochzufahren. Hierfür hat man dann allerdings nur 30 Sekunden Zeit. Ist man sich nicht sicher, ob die Innenraumüberwachung ausgeschaltet ist, einfach kurz den Motor starten, dann ist wieder alles „normal“ und man kann ggf. nochmal neu deaktivieren. Ich nutze die Alarmanlage so nun schon seit über zehn Jahren und habe keine Probleme mehr mit Fehlalarmen. Und wenn ich den Innenraumschutz doch einmal benötige, dann lasse ich die Prozedur mit dem Schlüssel einfach sein.

 

Nächstes Mal: Die Ländereinstellungen der Alarmanlage im Detail