Wirklich schon 20 Jahre her?

Jeder, der damals schon alt genug war, erinnert sich bestimmt noch daran, als 1994 das Coupé Fiat endlich bei den Händlern stand. Kaum zu glauben, dass das schon 20 Jahre her sein soll…

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AutoBild-Entwurf 1993

Erste Hinweise auf ein „Tipo Coupé“ gab es bereits 1992. Bekannt wurde rasch, dass die Top-Motorisierung 190 PS haben sollte und als Herz der 2,0 16V Turbo verbaut werden würde, der unter anderem aus dem Lancia Delta bekannt war. Viel mehr wusste die Fachpresse damals aber noch nicht. Immer wieder erschienen Zeichnungen, die das Design in Teilen vorwegnahm, aber selten wirklich auf den Punkt brachte. Rückwirkend betrachtet, sehen diese Entwürfe aber durchaus interessant aus und zeigen, wie unkonventionell Designer Chris Bangle und seine Kollegen an die Aufgabe herangegangen sind. Die AutoBild zeichnete anhand von Erlkönigbildern eines stark getarnten Coupé einen flotten Sportwagen, der aber vor allem in der Frontpartie wenig mit dem Endprodukt zu tun hat. Hinten jedoch lagen sie gar nicht so schlecht, sieht man von dem Nummernschild in der Heckklappe einmal ab. Das Rätselraten hatte irgendwann ein Ende und Fiat kündigte den Verkaufsstart für 1994 an. Damals wollte sich Fiat insgesamt ein neues Image geben, worin das Coupé nur eines (allerdings ein sehr wichtiges) Element war. Um sich vom Tipo abzusetzen, wurde es eben auch nicht Tipo Coupé genannt (wenngleich die technische Basis natürlich nicht zu verleugnen ist). Anders als beispielsweise beim Opel Calibra konnte man diese Verwandtschaft nicht auf den ersten Blick erkennen – der Calibra sah im Inneren nicht wesentlich anders aus als sein genetischer Vater Vectra. Trotzdem: Wer früher einen Tipo gefahren hat, fühlt sich im Coupé ebenfalls sofort zuhause.

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Werbeanzeige 1994

Das sportliche Element bei Fiat wurde von gleich drei Fahrzeugen vertreten. Einmal das neue Punto Cabrio, das sich sogar relativ gut verkaufte. Zum anderen die Barchetta, die im Gegensatz zum Coupé auf der kleineren Punto-Plattform entstand. Laien meinen heute häufig noch, dass die Barchetta eine Cabrio-Version des Coupé sei, aber das ist natürlich falsch. Richtig ist, dass es zeitweise Überlegungen gab, das Design der Barchetta optisch an das Coupé anzunähern, aber dieser Weg wurde nicht länger verfolgt. Der Tipo, der 1993 ein Facelift und vor allem eine verbesserte Sicherheitsausstattung bekommen hatte, war bereits im letzten Drittel seines Modellzyklus und sollte daher gemeinsam mit seinem Stufenheck-Bruder Tempra bald dem Bravo bzw. Brava weichen. Das Coupé stand hingegen gerade erst am Anfang. Die Namensgebung sorgt (auch unter Coupébesitzern) immer wieder für Verwirrung. Natürlich kann man „Fiat Coupé“ sagen, denn es ist zweifellos ein Coupé von Fiat. Geht es aber um die offizielle Modellbezeichnung, heißt es „Coupé Fiat“ – das ist der Name, den sich die Marketingleute damals ausgedacht haben. Über die Kreativität kann man streiten – doch es liest sich einfach wie ein Ausrufezeichen: „Sehr her! Das ist nicht irgendein Coupé. Es ist DAS Coupé Fiat!“. Und diese Philosophie passt sicherlich bestens zum zeitlosen Design.

Wie zeitlos dieses Design wirklich ist, fällt einem erst heute so richtig auf. Wer kennt das nicht, dass Menschen, die überhaupt keine Ahnung haben, um was für ein Fahrzeug es sich handelt, es sogar für ein Neufahrzeug halten? Fragen wie: „Ist das ein Ferrari / Alfa / Lamborghini / eine Corvette…?“ kennen bestimmt auch die meisten. Ich selbst habe es schon erlebt, dass sich ein älterer Mann beleidigt abgewendet hat mit den Worten: „Veräppeln kann ich mich alleine!“ als ich ihm erklärte, dass es sich um einen Fiat handelt. Vielleicht ist es wirklich einfach das zeitlose Konzept, das immer noch jung aussieht. Auch der Innenraum sieht nicht altbacken aus. Natürlich gibt es heute zahllose Spielereien und modische Accessoires mit Carbon, Aluminium und anderem Zierrat, ganz zu Schweigen von technischen Neuerungen. Aber wenn man sich in das Auto setzt, hat man (im Gegensatz zu den meisten anderen Fahrzeugen) kaum eine Ahnung, aus welcher Epoche das Design nun stammt. Es ist sicherlich nicht als „typisch 90er“ zu bezeichnen. Im Coupé erscheint einem das alles auch nicht so wichtig, denn man hat das Gefühl, im richtigen Auto zu sitzen. Gerade das macht einen Klassiker aus – und dass unser Coupé ein solcher werden wird (oder auch schon ist), daran ist nicht mehr zu zweifeln.

Wer dann erschrocken auf 20 Jahre zurückblickt und sich fragen mag: „Bin ich wirklich schon so alt??“, kann sich vielleicht mit dem Gedanken trösten, dass nicht nur das Auto jung geblieben ist.

 

 Mehr Informationen zur Historie des Coupé Fiat findet Ihr demnächst auf unserer Homepage www.fiatcoupe.de